Willkommen

In einer Zeit des raschen Wandels, in der sich unsere heutige Welt befindet, benötigt die Menschheit mehr denn je eine gemeinsame, zusammenführende Vision davon, was Wesen und Ziel unseres Lebens ist und wohin sich unsere Gesellschaft in Zukunft entwickeln soll. Solch eine Vision entfaltet sich in den Schriften Bahá’u’lláhs, des Stifters des Bahá’í-Glaubens.

Zusammen mit Menschen verschiedensten Hintergrunds lässt sich die Bahá’í-Gemeinde der Schweiz auf die spirituellen Lehren Bahá’u’lláhs ein und lernt, wie diese Vision der Einheit der Menschheit – genauer gesagt das Prinzip der Einheit in der Vielfalt – in konkrete Taten für die Besserung der Welt umgesetzt werden kann.

Woran Bahá’í glauben

In der ganzen Schweiz inspirieren die Lehren des Bahá’í- Glaubens den Einzelnen und Gemeinden bei ihren Bemühungen, ihr eigenes Leben zu verbessern und einen Beitrag zum Fortschritt der Zivilisation zu leisten. Der Bahá’í-Glaube beschäftigt sich mit solch wesentlichen Themen wie der Einheit Gottes und der Religion, der Einheit der Menschheit, Vorurteilslosigkeit, der dem menschlichen Wesen innewohnenden, ihm eigenen Adel, der fortschreitenden Offenbarung religiöser Wahrheit, der Entwicklung geistiger Eigenschaften, Gebet und Dienst am Nächsten vereinbaren, die Gleichheit der Rechte für beide Geschlechter, die Übereinstimmung von Religion und Wissenschaft, die grundlegende Bedeutung der Gerechtigkeit für alle menschlichen Unterfangen / Beginnen / Unternehmungen, die überragende Wichtigkeit der Erziehung sowie die Dynamik der Beziehungen zwischen dem Einzelnen, Gemeinden und Institutionen Themen, vor deren Behandlung die Menschheit nicht zurückweichen darf, will sie den Weg zu einer kollektiven Reife beschreiten.

Dieser Teil der Website gibt einen Überblick über die Ursprünge des Bahá’í- Glaubens, unter anderem eine kurze Beschreibung des Lebens von Báb und Bahá’u’lláh sowie einen Überblick über die Vision Bahá’u’lláh’s für die Welt. Zum Abschluss werden das Universale Haus der Gerechtigkeit und die Organisation der Bahá’í-Gemeinde vorgestellt.

Um sich einen vertieften Einblick über die Glaubensvorstellungen des Bahá’í-Glaubens zu verschaffen, bietet sich die Bahá’í Reference Library an. Hier können Sie die Schriften von Báb, Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá (siehe weiter unten Zentralgestalten des Bahá’í Glaubens) studieren sowie die Schriften von Shoghi Effendi und eine Auswahl der Stellungnahmen und Mitteilungen des Universalen Hauses der Gerechtigkeit.

Das persönliche und gemeinschaftliche Leben verwandeln

Bahá’u’lláhs Vision der Einheit der Menschheit kann am besten realisiert werden durch die Wandlung unseres persönlichen wie auch des gemeinschaftlichen Lebens.

In der Schweiz, wie auch in der ganzen Welt, engagieren sich die Bahá’í, zusammen mit ihren Freunden und Nachbarn, im gemeinsamen Dienst, um damit zur Wandlung der Gesellschaft beizutragen. Gemeinsam wollen sie das Zusammenleben in ihrer Nachbarschaft und ihren Gemeinden verbessern, indem sie Projekte umsetzen, welche die Kompetenzen und Fähigkeiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fördern.

Die Zentralgestalten des Bahá’í-Glaubens

Bahá'u'lláh

Bahá’u’lláh, ein Titel der «Die Herrlichkeit Gottes» im Arabischen bedeutet, wurde im November 1817 in Teheran, Iran, geboren. Als Kind schon zeichnete er sich durch Zeichen von Grösse und Weisheit aus.

Nach dem Tode seines Vaters, eines Ministers am Hofe des Sháh, lehnte Bahá’u’lláh es ab, eine ihm offenstehende ministerielle Laufbahn in der Regierung einzuschlagen. Er verzichtete darauf, ein Leben der Macht und Musse zu führen und widmete Seine ganze Kraft philanthropischen und wohltätigen Anliegen, die Ihn in den frühen 1840er Jahren als «Vater der Armen» Bekanntheit erringen liess.

Während seines ganzen Lebens – sowohl bevor als auch nachdem er sich erhob, um Seine Sache zu verkünden – war er vielen Trübsalen und Leiden ausgesetzt: man warf Ihn in Teheran ins Gefängnis; im Anschluss wurde er viermal immer weiter ins Exil geschickt über Bagdad, Istanbul, Adrianopel, um schliesslich in der Gefängnisstadt des türkischen Reiches in Akká, Palästina, eingesperrt zu werden. Sein Leben war angefüllt mit Leiden, Exil und Verfolgung.

Alle Anstrengungen, die die Regierungen des Iran und des osmanischen Reiches unternahmen, um Bahá’u’lláh zum Schweigen zu bringen, waren vergeblich. Je entfernter das Exil war, in welches er geschickt wurde, umso mehr zogen Seine Lehren, Seine geistige Macht und Seine Majestät die Menschen an. Allen Verfolgungen zum Trotz offenbarte Bahá’u’lláh das Wort Gottes während vierzig Jahren und brachte Liebe und geistige Energie in die Welt.

Bahá’u’lláh verschied im Jahre 1892. Für Bahá’í ist Sein Schrein, nahe Akká im Norden Israels gelegen, der heiligste Ort auf Erden.

Der Báb

Im Jahre 1844 erklärte ein junger Kaufmann, dass er der Überbringer einer Botschaft sei, die die Menschheit verändern würde. Zu einer Zeit, da Sein Land, Iran, einen moralischen Zusammenbruch erlebte, rief Seine Botschaft Aufregung und Hoffnung in allen Gesellschaftsschichten hervor und zog rasch Tausende von Anhängern an. Er nahm den Namen «Der Báb» an, was im Arabischen «Das Tor» bedeutet.

Mit Seinem Ruf nach geistiger und moralischer Erneuerung und der Wichtigkeit, die er der Verbesserung der Position der Frau und dem Los der Armen beimass, kamen die Vorschriften des Báb für eine geistige Reformation einer Revolution gleich. Gleichzeitig stiftete er eine eigenständige, unabhängige Religion, welche Seine Anhänger dazu inspirierte, ihre Lebensweise vollkommen zu ändern und Taten grossen Heldentums zu vollbringen. Seine Sendung, die nur sechs Jahre dauern sollte, war dazu bestimmt, die Menschen auf das Kommen Bahá’u’lláhs vorzubereiten.

Der Báb, geboren 1819, und Seine revolutionäre Botschaft riefen den Zorn und die Verfolgung durch staatliche – und religiöse Machtinhaber hervor. Er wurde 1850 durch Regierungssoldaten hingerichtet. Seine Anhänger bargen seine Überreste, versteckten und behüteten diese während mehrerer Jahre. Schliesslich konnte Er am Berg Carmel beigesetzt werden an einem Ort, den Bahá’u’lláh Selbst bestimmt hatte.

'Abdu'l-Bahá

‘Abdu’l-Bahá, der älteste Sohn Bahá’u’lláhs, geboren 1844, wurde nach dem Hinscheiden seines Vaters der führende Vertreter des Bahá’í-Glaubens. Zeitlebens setzte er sich ein für soziale Gerechtigkeit und wirkte unermüdlich für internationalen Frieden. Bahá’u’lláh versicherte in Seinen Schriften, dass Sein Glaube niemals das Schicksal anderer erleiden würde, die nach dem Hinscheiden ihres Stifters in Sekten zerfielen, und dass die Einheit aufrechterhalten würde. Er hielt alle Gläubigen an, sich ‘Abdu’l-Baha zuzuwenden. Einerseits, weil dieser zur Auslegung Seiner Schriften befugt war; andererseits verkörperte dieser Geist und Lehren des Glaubens auf beispielhafte Art und Weise.

Abdu’l-Bahás außergewöhnliche Charaktereigenschaften, sein Wissen und sein Dienst an der Menschheit waren eine lebendige Demonstration der Lehren Bahá’u’lláhs in der Praxis und brachten der sich rasch ausbreitenden Gemeinde in der ganzen Welt großes Ansehen. Er widmete seinen Dienst der Verbreitung des Glaubens Seines Vaters und der Förderung der Ideale des Friedens und der Einheit. Er regte die Gründung lokaler Bahá’í-Institutionen an und leitete aufkommende Initiativen im Bildungs-, Sozial- und Wirtschaftsbereich. Nach seiner Entlassung aus lebenslanger Gefangenschaft reiste ‚Abdu’l-Bahá nach Ägypten, Europa und Nordamerika. Sein ganzes Leben lang vermittelte er mit brillanter Schlichtheit sowohl hohen als auch niedrigen Menschen Bahá’u’lláhs Rezept für die geistige und soziale Erneuerung der Gesellschaft. Er verstarb im November 1921, also vor einem Jahrhundert.

Die Vision Bahá’u’lláhs für die Welt

Die Manifestationen Gottes – Gottes göttliche Erzieher

Seit ewigen Zeiten hat der Herr göttliche Erzieher – auch «Manifestationen Gottes» genannt – gesandt, um die geistigen, intellektuellen und moralischen Eigenschaften und Fähigkeiten der Menschen zu verfeinern und zu entwickeln. Abraham, Krishna, Zoroaster, Moses, Buddha, Jesus Christus, Muhammad und in der näheren Vergangenheit der Báb und Bahá’u’lláh sind einige dieser Erzieher. Bahá’u’lláh erklärt, dass die Religionen der Welt einer Quelle entspringen und in ihrem Wesen aufeinander folgende Kapitel der einen Religion Gottes darstellen.

Die Vision von Bahá'u'lláh

Die Bahá’í glauben, dass die Erarbeitung einer gemeinsamen, einigenden Vision der Zukunft der menschlichen Gesellschaft, von Natur und Zweck des Lebens, von existentieller Bedeutung für die Zukunft der Menschheit sind. Solch eine Vision wird in den Schriften Bahá’u’lláhs entfaltet. Indem sie an den Wurzeln der menschlichen Motivation ansetzen, erwecken die Lehren Bahá’u’lláhs in ganzen Bevölkerungsschichten Fähigkeiten, die zum Fortschritt der Zivilisation in bisher nicht für möglich gehaltenem Umfang beizutragen gestatten.

Universaler Frieden – eine der Lehren Bahá’u’lláhs

Die Lehren Bahá’u’lláhs sind umfassend in ihrer Zielsetzung und untersuchen so verschiedene Themen wie Natur und Zweck göttlicher Offenbarung, der dem Menschen innewohnende Adel, die Kultivierung geistiger Eigenschaften und die Beziehungen der Menschheit mit der Natur. Die Bahá’í Schriften weisen eine Fülle von Bezügen zu internationalem Frieden auf – dem überragenden Ziel der ganzen Menschheit – wie auch die Erläuterungen sozialer Verhaltensweise, die in Beziehung zu diesem Frieden stehen.

Zu diesen gehören: – die unabhängige Suche nach Wahrheit; – die Einheit der ganzen menschlichen Rasse, welche das zentrale Prinzip des Bahá’í-Glaubens darstellt; die Abschaffung jedweder Form von Vorurteil; Harmonie, die zwischen Religion und Wissenschaft bestehen muss; Gleichheit der Rechte von Mann und Frau, den zwei Schwingen, die dem Vogel Menschheit gestatten, sich emporzuschwingen; die Einführung obligatorischer Erziehung für alle; die Annahme einer internationalen Hilfssprache; die Abschaffung von extremem Reichtum und Armut; die Einrichtung eines Weltgerichtshofes für die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen verschiedenen Nationen; die Annahme von Gerechtigkeit als grundlegendes Prinzip, welches alle menschlichen Angelegenheiten zwingend beherrschen muss.

Die Bahá’í sehen diese Prinzipien nicht lediglich als Ausdruck von vagen hoffnungsbeladenen Wunschvorstellungen an – sie werden als Angelegenheiten betrachtet, denen dringende und praktische Bedeutung für den Einzelnen und die menschliche Gesellschaft zukommt.

Institutionen und deren Organisation

Die Bahá’í-Verwaltungsordnung – errichtet von Bahá’u’lláh

Die Angelegenheiten der Bahá’í- Gemeinde werden durch Gremien verwaltet. Der Ursprung dieses Systems – bekannt als Bahá’í-Verwaltungsordnung – findet sich in den Schriften Bahá’u’lláhs.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit ist die Körperschaft, die an der Spitze der Bahá’í-Verwaltungsordnung steht. Unter seiner Führung verwalten gewählte Gremien, lokale und nationale geistige Räte genannt, die Angelegenheiten der Bahá’í-Gemeinde auf ihrer jeweiligen Ebene.

Dienst in Bahá’í-Institutionen wird als Vorrecht angesehen, welches allerdings nicht vom Einzelnen angestrebt wird. Er stellt eine Verantwortung dar, zu der wahrzunehmen Er oder Sie zu gegebener Zeit aufgerufen werden.

Lokale Geistige Räte

Auf lokaler Ebene wird die Verwaltung der Angelegenheiten der Bahá’í-Gemeinde von lokalen geistigen Räten wahrgenommen. Jeder lokale geistige Rat besteht aus neun Mitgliedern, die jährlich gewählt werden.

Der lokale geistige Rat trägt u. a. Verantwortung dafür

  • die geistige Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu fördern
  • das geistige und soziale Zusammenleben der Bahá’í-Gemeinde zu stärken
  • die Fähigkeiten und Dienstmöglichkeiten der Gemeinde zu analysieren und zu nutzen
  • die Fähigkeiten und Dienstmöglichkeiten der Gemeindemitglieder in Richtung Fortschritt zu lenken
  • die Organisation des 19 Tagefestes

Falls Sie wünschen, Bahá’í in ihrer Gemeinde zu kontaktieren können Sie an info@bahai.ch schreiben oder sich telefonisch unter 031 352’1020 erkundigen.

Das Neunzehntagefest

Alle 19 Tage, zu Beginn eines Bahá’í-Monats, versammeln sich die an einem Ort lebenden Bahá’í und begehen das 19 Tagefest. Sie beten und beraten gemeinsam, geben dem lokalen geistigen Rat Anregungen zur Gestaltung des Gemeindelebens und erhalten Informationen von ihm.

Das Neunzehntagefest wird in jedem Ort abgehalten, in dem es einen lokalen geistigen Rat gibt; an Orten, an denen es einen solchen Rat noch nicht gibt, werden informelle Versammlungen organisiert.

Nationaler Geistiger Rat

Auf nationaler Ebene werden die Angelegenheiten der Bahá’í-Gemeinde durch den Nationalen Geistigen Rat verwaltet. Die neun Mitglieder dieses Rates werden jährlich gewählt.

Der lokale geistige Rat trägt u. a. Verantwortung dafür

  • das Wachstum und ein lebhaftes Gemeindeleben der nationalen Bahá’í-Gemeinde zu fördern
  • die Verwendung der finanziellen Ressourcen der Gemeinde zu bestimmen und deren Besitzungen zu verwalten
  • die Angelegenheiten der Gemeinde zu verfolgen
  • Fragen der Einzelnen Bahá’í und der Lokalen Geistigen Räte zu beantworten
  • die Einbindung in – und Teilnahme der Bahá’í-Gemeinde am gesellschaftlichen Leben auf nationaler Ebene zu stärken

Bahá'í-Wahlen

Auf nationaler und lokaler Ebene werden die Mitglieder der Geistigen Räte jedes Jahr in geheimer Wahl bestimmt. Jeder Bahá’í, der älter als 18 Jahre ist, kann wählen und werden gebeten, dies im Geiste des Gebets zu tun.

Bahá’í-Wahlen gibt es keine Kandidatur, eine Wahlkampagne ist nicht erlaubt; die Wähler sind aufgerufen, dem charakterlichen und moralischen Eigenschaften und praktischer Machbarkeit bei ihrer Wahl Rechnung zu tragen. Gewählt werden diejenigen Frauen und Männer, die die meisten Stimmen erhalten. Die Lokalen Geistigen Räte werden durch die erwachsenen Mitglieder der jeweiligen Bahá’í-Gemeinde gewählt.

Auf nationaler Ebene werden regionale Wahlen abgehalten. An diesen Wahlen gilt es, Delegierte zu wählen, die an der nationalen Bahá’í-Tagung teilnehmen. An der Nationaltagung beraten die Delegierten aus der ganzen Schweiz über die Angelegenheiten der nationalen Bahá’í-Gemeinde. Eine der Aufgaben der Nationaltagung ist die Wahl des nationalen geistigen Rates.

Die Mitglieder aller nationalen geistigen Rates nehmen an der Wahl der Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit teil, die alle fünf Jahre stattfindet.

Andere Reflexionsräume

Neben dem Neunzehntagefest werden auf örtlicher und nationaler geistiger Ebene Treffen veranstaltet mit dem Ziel, über die Entwicklung der Gemeinde zu beraten. Diese Treffen dienen dazu, das Erreichte zu würdigen und Pläne für weitere Aktivitäten zu schmieden.

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner